Panikstimmung

Nun isses da, das Tabaksteuermodernisierungsgesetz… und es bricht Panik aus. Es wird spekuliert und verstärkte Bunkeraktivität angekündigt. Dabei muss man auch viel Mumpitz lesen. Deshalb hier mal ein paar wichtige Informationen und Anregungen:

Ist Bunkern sinnvoll?

Ja, ist es! Aber dabei sollte man seine Kröten auch in die notwendigen Produkte investieren und nicht den Keller mit Bestandteilen füllen, die man auch weiterhin ohne Steuer bekommen kann.

Fertige neutrale Base (PG, VG, PG mit VG) braucht man NICHT zu bunkern. Gemische von PG und VG bekommt man im Fachhandel außerhalb der Dampfer-Branche zwar nicht wirklich, aber wer dampfen möchte und selbst mischen, der sollte in der Lage sein, sich z.B. eine Traditionale-Base aus PG, VG und Wasser selbst anzumischen. Man nehme eine Literpulle, kippe 550 ml PG hinein, 350 ml VG und 100 ml Wasser. Zuschrauben, Flasche ein paar mal drehen… feddich. Traditionale ist 55:35:10. Dafür muss man nicht einmal rechnen können.

PG und VG kann man auch künftig tabaksteuerfrei erwerben. Das sind Produkte, die in anderen Bereichen noch viel mehr benötigt werden, als beim Dampfen. In Naturkosmetik-Shops, im Agrarhandel, im Chemikalienhandel und etlichen anderen Shops bekommt man das Zeug… in entsprechender Qualität (damit zum Dampfen geeignet) und zu Preisen wie bisher im Dampfer-Shop (oder noch günstiger). Beispiele? Hier: [1]

Und Wasser kommt aus dem Kran in der Küche.

„Normale“ Aromen, die zum Dampfen geeignet sind (i.d.R. auf PG-Basis) kann man auch bei diversen anderen Quellen beziehen. Das gilt lediglich nicht für spezielle Dampfer-Kompositionen (sowas wie Heisenberg oder andere „Premium“aromenmischungen, die speziell fürs Dampfen kreiert wurden).

Mit DENEN sollte man sich allerdings ohne Rücksicht auf Verluste in großer Menge eindecken. Nicht einmal unbedingt, weil die Steuer draufkommt, sondern weil die Produkte aus dem Handel verschwinden werden. Und der Handel gleich mit. Ohne Dampf-Shop auch kein Dampf-Aroma. Deshalb: bunkern oder auf andere Aromen ausweichen (selbst was aus Grundgeschmäckern komponieren).

Was auch gebunkert werden sollte, sind definitiv Nikotin-Shots. Denn wenn es keinen Dampf-Shop mehr gibt, dann gibt es auch keine Quelle für Nikotinbase mehr. Klar kann man aus dem Ausland bestellen… aber wie lange es dauert, bis evtl. Steuern auch dort den Markt zerstört und die Shops beseitigt, ist schwer abschätzbar. Es sieht ja noch so aus, als würde eine kommende EU-Richtlinie zur Liquidsteuer lediglich MINDESTsteuersätze festlegen und nach oben keine Grenze ziehen. Und ein Verbot grenzüberschreitenden Versandhandels steht auch auf der Wunschliste vieler Entscheider… um genau diese „Lücken“ zu füllen.

Damit können alle, die sich wegen des drohenden ersten Entwurfs (wo lediglich Nikotin je Milligramm besteuert werden sollte) schon einen ordentlichen Vorrat angeschafft haben, aufatmen… war ausgesprochen sinnvoll. Das Problem wird bei Shots nicht die Milliliter-Steuer sein, sondern, dass man das Zeug nirgendwo mehr bekommt (außer im nichteuropäischen Ausland… mit allen Risiken beim Bezug).

Muss ich mir jetzt ein Pferd oder eine Kuh anschaffen, um PG kaufen zu dürfen?

Nein! NEIN! NEI-EN!

PG ist ein frei verkäufliches Produkt. Man braucht keinen „Berechtigungsschein“, um es in anderen Shops (außer Dampfershops) zu kaufen.

Wird PG im Kuhfutterhandel jetzt nicht auch besteuert?

Nein! NEIN! NEI-EN!

Erheblich ist hier die Zweckbestimmung des Produkts. Im Tierfutter-Handel ist die Zweckbestimmung NICHT der Konsum im E-Dampfgerät. Diese Zweckbestimmung ist nur dann gegeben, wenn auf dem Gebinde draufsteht, dass es zum Dampfen ist oder wenn es in einem Shop angeboten wird, der Produkte zum E-Dampfen verkauft.

Wieso sollten denn die Dampfer-Shops verschwinden? Die verkaufen doch auch Hardware?

Ja, aber die können von Hardware nicht leben! Shops leben von den Verbrauchsmaterialien. Und in erster Linie von den Flüssigkeiten. Wenn ein Liquid von knapp vier Euro auf knapp sechs Euro verteuert wird, dann wird die Nachfrage schon sinken. Der Großteil der preisbewussten Dampfer kauft eh Shortfills… und wenn die (50/60 ml) von knapp 14 auf knapp 24 Euro steigen, dann wird der Kram nicht mehr gekauft. Das Problem dabei ist aber auch, dass die Händler die neue Steuer darauf schon abführen müssen, bevor sie die Einheit überhaupt verkauft haben. Also pro besagtem Shortfill acht Euro. Und dann müssen sie darauf hoffen, dass sich ein Kunde findet, der dämlich genug ist, ihnen das abzukaufen. Nun hat so ein Shop nicht nur eine Pulle Shortfill im Regal oder Lager, sondern ein paar hundert. und für jede dieser hunderten Pullen müssen sie in der ersten Stufe acht Euro für die Banderole an den Staat abdrücken… vorneweg, ohne Garantie, dass sie es verkauft bekommen. Litergebinde von nikotinfreier Base? Nun… 160 Öcken pro Pulle. Bei, sagen wir mal 50 Pullen im Lager, hätten sie Steuerkosten von 8.000 Euro vorneweg. Und glaubt mir… KEINER wird denen eine Pulle Base für knapp 200 Öre abkaufen. Also werden sie dieses Produkt nicht mehr anbieten.

Das alles gilt nur für die erste Stufe ab 01. Jul. 2022. Die Sache steigert sich (bezogen auf die drei Beispiele) auf knapp acht Euro für die Liquidpulle, über 30 Euro für den Shortfill und um die 390 Euro für die Literflasche Base.

Das sind enorme Preissteigerungen bei den Produktgruppen, von denen ein Shop existiert. Dazu kommt noch die extreme Vorleistung, die ein Shopbetreiber leisten müsste. Die meisten Shops werden aufgeben, das ist sehr sicher. Eine Möglichkeit wäre noch, dass sie sich komplett auf Fertigliquids in kleinen Gebinden und vorbefüllte Pods verlegen. Aber NUR mit diesen Produkten kann man auch nicht seine Miete und die Brötchen bezahlen. Hardware kann das (vor allem bei Podsystemen) auch nicht rausreißen, denn der Kram ist recht billich und ermöglicht keine wirklich große Marge. Und der Kunde kauft auch nicht jede Woche ein neues System.

Und das gilt nicht nur für die Offis, sondern auch für den inländischen Online-Handel.

Letztlich wird sich der Handel auf Podsysteme und einfache offene Systeme reduzieren, die entweder im Kiosk, an der Tankstelle oder in wenigen verbleibenden Shops, die von Big-T aufgekauft wurden und dann mitgetragen werden.

Ohne bezahlbaren Treibstoff sinkt außerdem die Nachfrage nach neuer Hardware… und insbesondere leistungsfähiger Hardware (die verbläst zu viel Liquid).

Ist Bunkern sinnvoll – Teil 2?

Wenn es zum Shop-Sterben kommt, dann kann man auch froh sein, wenn man ausreichend Hardware gebunkert hat. Ohne inländische Shops auch kein inländischer Kauf von Hardware. Das betrifft vor allem auch die Nutzer von Systemen mit Fertigverdampferköpfen. Die braucht man ständig… und kann sie nicht mehr im Shop um die Ecke kaufen oder mit Expressversand vom deutschen Online-Shop… weil… die jibbet dann kaum noch (wenn überhaupt).

Köpfe bunkern ist also auch eine Überlegung wert. Besser noch wäre es, sich doch mit dem Selbstwickeln vertraut zu machen und sich solide Selbstwickler zu besorgen.

Grund zur Panik?

Nö! Vielmehr Grund zur Trauer. Und ein Anlass, sich ein Konzept zum Überleben zurechtzulegen.


[1] https://www.alginshop.de/1-2-propylenglykol-1-liter.html https://www.dragonspice.de/naturkosmetikRohstoffe/Wirkstoffe/Propylenglycol.html https://www.glycol.eu/de/glykol/propylenglykol/ https://www.oputec.de/kreatives/48/1l-propylenglykol-in-ph.-eur.-qualitaet https://www.nutztierarzt-shop.de/Produkte/Propylenglycol-5-Liter.html


Zwei Gedanken zu “Panikstimmung”

dubito sagt:

  1. Juni 2021 um 22:32

Moment, Daniel: „Das alles gilt nur für die erste Stufe ab 01. Jan. 2022“ Ich denke, ab Juli 2022 … oder?

PepeCyB sagt:

  1. Juni 2021 um 22:41

Rüschtüsch! Hab den Schreibfehler korrigiert: 01. Jul. 2022. 😉

Danke für den Hinweis…