Rückbesinnung

Es ist für mich an der Zeit, mein Engagement als Dampf-Aktivist ein gutes Stück zurückzuschrauben.

Einmal scheint man tatsächlich nichts erreichen zu können, wie man am gerade verabschiedeten Tabaksteuermodernisierungsgesetz sehen kann. Und auch die Revision der TPD2, die dann höchstwahrscheinlich in eine TPD3 münden wird, wirft ausgesprochen düstere Schatten voraus. Der Scheer-Report, auf welchen sie sich stützen werden, lässt für ein freies Dampfen, wie es jetzt noch im Großteil der EU möglich ist, keinen Platz. Nachbarländer machen es vor: Aromenverbote, Versandhandelsverbote, Verbote des grenzüberschreitenden Handels… Und es gibt ja noch etliche weitere Knebel, die angelegt werden können… und die auch schon in den Köpfen der Entscheider herumspuken.

Hinzu kommt die nicht enden wollende und zur Zeit wieder an Fahrt gewinnende Kampagne verschiedenster ANTZ-Organisationen und -Behörden. Dagegen kommt man einfach nicht an. Und die Ohren (und Taschen) der Politik sind für Einflüsterungen der Dampf-Gegner weit geöffnet. Irgendwann muss man erkennen, dass es zwecklos ist. Und an diesem Punkt bin ich nun angelangt.

Eigentlich gäbe es Möglichkeiten, aber die kann man nicht verwirklichen, weil das Phlegma innerhalb der Szene grenzenlos ist. Entweder man muss vernehmen, dass man schwarzmalen würde und dass alles nicht so schlimm werde (dann lehnt man sich zurück und greift provokativ in die Popcorn-Tüte), oder es geht für kurze Zeit noch darum, wie man für sich selbst vorsorgen kann. Keiner kommt auf die Idee zu versuchen, die Ursachen anzugehen. Da kann man noch so aktiv sein (als Vorbild) und um Mithilfe bitten… es kommt nix. Aber auch meine Zeit und Kraft ist begrenzt… und wenn ich das Gefühl habe, mit meinen wenigen Mitstreitern völlig alleine dazustehen, dann ist auch meine Geduld mal am Ende.

Klar wird die ExRaucher-IG weiter bestehen und auch hier und da mal aktiv werden… aber halt nur im Rahmen des personell möglichen. Beitreten alleine reicht nicht… so wie es bei anderen Organisationen auch nicht genügt, einfach Mitglied zu werden und zu denken, man habe mit seinem Beitrag (den es bei ExR-IG nicht gibt) die Arbeitskraft der wenigen Aktiven „bezahlt“.

Und hier in der Dampfdruck-Presse werde ich auch wieder mehr zum eigentlichen Kerngeschäft zurückkehren. Informationen, derbe Kritik an den ANTZ, DIYS-Projekte, Tipps und Hilfe zur Selbsthilfe. Denn DAS sind die Sachen, an denen in absehbarer Zeit noch Interesse bestehen wird. Wenn der Markt durch Steuer und sicherlich kommende verschärfte Regulierungen zerstört ist, dann bleiben eh nur noch die „Harten“ (und diejenigen, die es werden wollen) übrig. Das E-Dampfen wird um ein Jahrzehnt zurückgeworfen und es gibt dann nicht einmal einen Silberstreif am Horizont (derzeitiger Stand). Also muss jeder sehen, wo er bleibt… und dazu möchte ich wieder meinen Teil beitragen.

Also… es ist Zeit zur Rückbesinnung. Bin dabei… kann man auch am neuen „alten“ Logo und Design der DDP erkennen. 😉


Zwei Gedanken zu “Rückbesinnung”

Monomond sagt:

  1. Juni 2021 um 18:47

Auch wenn jetzt einiger aus der Dampferblase schimpfen werden, doch genau das hatte ich vor 5 Jahren schon geschrieben und seit dem immer wieder propagiert (also nicht „vorhergesagt“, sondern es mir, und damit der gesamten Dampferszene, gewünscht). Eine Rückkehr zur Graswurzelbewegung, in der jede Dampferin und jeder Dampfer kompetent mit diesem Hobby umgeht, sich in Foren oder auf Stammtischen bildet und so am Ende zu einem kleinen aber feinen Experten des E-Dampfens wird, der das eigene Wissen dann persönlich als Vertrauensperson durch Anschauung im Freundes- und Bekanntenkreis weitergibt.

Weißgott ich bin wohl einer der letzten, der etwas gegen den Kommerz einzuwenden hat (ohne ihn würden wir fiese Stahlröhrchen mit maximal BillowV1-Verdampfer benutzen), doch die inflationäre Flut der Dampfershops, in denen alles andere als kompetente Beratung stattfindet, sowie der völlig irrsinnige Liquid-Markt haben die ehemalige Basisbewegung des E-Dampfens zerstört. Immer wieder mit dem Argument, ein Umsteiger müsse so einfach wie ein Päckchen Zigaretten ein Dampfprodukt kaufen können und schon funktioniere alles. Das war und ist Mumpitz. In nun fast 10 Jahren meiner Beobachtung im persönlichen Umfeld konnte ich feststellen, dass diese Strategie schlicht nicht funktioniert: der Ahnungslose probiert das Dampfen ein paar Wochen lang aus, dann landen die Geräte in der Ecke und es wird weiter geraucht – aber die Interessierten spüren selber den Drang, sich über diese Technik intensiver zu informieren.

Auch ist es so, dass der Kommerz eben nicht dafür gesorgt hat, das Dampfen populärer zu machen, denn die Zahl, die geschätzte Zahl, der Dampferinnen und Dampfer liegt seit nunmehr 10 Jahren etwa auf demselben Level. Leichter Zuwachs aber gemessen an der Explosion der Dampfershops, Verbände und Liquid-Firmen doch erstaunlich gleichbleibend. Schon VSI-Simon sagte vor einigen Jahren das Shop-Sterben voraus, da der Kommerz weder die behördlichen Anforderungen wird erfüllen können, noch der realen Entwicklung des Dampfens entspricht.

Bunkern ist wirklich kein Hexenwerk, wir benutzen wenige unverderbliche Stoffe und Materialien. Was aber von Anfang an wichtig war, das war die Verbreitung des E-Dampfens durch Erfolgsgeschichten wie bei „Ex-Raucher“ und die Möglichkeit einer nichtöffentlichen Kommunikation für alles, was den Liquid- bzw. Bezugs-Markt betrifft. Deine Dampfdruckpresse als Weblog sehe ich hier als großes Vorbild: ausschließlich Themen zum Dampfen (allein die Koffein-Story, die Misch-Geschichten, die Reviews sind mit das Wertvollste, was ein interessierter Zeitgenosse entdecken kann). Die Technik selber findet ihre Beschreibung auch in den Foren. Doch all das wurde nach und nach den Dampfshops überlassen und stattdessen mutierten manche Foren zu „Was-gibt-es-Neues-Vorzeigemärkte“ oder Bühnen für Exzentriker (ist aber auch verständlich, denn es gibt nicht jeden Tag Neues der Technik und Handhabung zu berichten, so dass ein echtes Dampferforum eigentlich heute die meiste Zeit kaum besucht daläge).

Also Rückbesinnung aufs Wesentliche, back to the roots, das ist meines Erachtens der richtige Weg, das Dampfen voranzubringen. Immer schön unterhalb des Radars. Mit dem Thema Dampfen muss kein Mensch kommerzielle Reichweite erzielen. Je mehr Geld damit verdient wird, desto mehr Neider werden angezogen, die der ANTZ damit in die Hände spielen.

PepeCyB sagt:

  1. Juni 2021 um 19:03

Ich unterschreib das mal! 🙂