Pepes Wischmopp – Menthol, Minze und coole Agenten

Eigentlich wäre ich mit dem Thema schon durch… also dem Menthol-Thema. Es kursieren aber noch immer Behauptungen zu dieser Thematik durch das Netz, die eine Beleuchtung auch von anderer Seite erfordern. Deshalb hier nochmal was zu Menthol und verwandte Aromen.

Das Mentholverbot für Fertigliquids (NICHT für Aromen oder gar Mentholkristalle, aus denen man sich ein Aroma selbst herstellen kann… es geht um den Stoff, der von der überwiegenden Mehrzahl der Dampfer konsumiert wird: FERTIGE Liquids – direkt dampfbar) ist vom Tisch… eine Mengenbeschränkung ist in Arbeit. So weit, so gut.

Dass eine eventuell deutlich zu niedrig angesetzte Mengenbeschränkung von Menthol aber „kein Beinbruch“ sein soll, wird auch gerne behauptet. Es wird dann auf Ersatzstoffe und die sogenannten Cooling Agents (CA) verwiesen, die teilweise ohnehin schon eingesetzt würden und dann halt die Lücke schließen könnten. Ein Trugschluss!

Es gibt eine ganze Menge solcher Stoffe, die als „coole Agenten“ bezeichnet werden. Wilkinson Sword hat eine bedeutende Zahl dieser Substanzen im Portfolio… man erkennt sie an der Bezeichnung „WS-“ mit einer Nummer dahinter. Aber auch andere Hersteller bieten solche Stoffe an. Eine Unbedenklichkeit bei der Nutzung zum E-Dampfen ist bei fast allen diesen Substanzen nicht erklärt… schlicht, weil es in dieser Hinsicht mal wirklich keine Untersuchungen gibt. Darunter gibt es auch Substanzen, die bereits als nicht unproblematisch eingestuft sind… DIE möchte man dann vielleicht nicht in seinem Liquid wissen. Einer der bedeutendsten CA ist Pulegon. Es findet Verwendung in Liquids und auch in Dampfaromen. Allerdings ist es im Vergleich zum „echten“ Menthol deutlich problematischer. Nur zum Vergleich… die LD50 (Ratte) von Menthol liegt bei 3.300 mg/kg und von Pulegon bei 470 mg/kg.

Wird nun Menthol in FERTIGliquids durch Pulegon ersetzt (oder nicht… dazu später noch Infos), so wird ein gesundheitlich unbedenklicher Stoff durch einen gesundheitlich bedenklicheren Stoff ersetzt. Oder wenn andere, nicht so übliche, Ersatzstoffe zum Einsatz kommen, dann gibt es auch Risiken bzw. es ist über Auswirkungen nichts bekannt. Es wäre also eigentlich – aus Gründen des Verbraucherschutzes – sinnvoller, regulatorisch die Finger vom Menthol zu lassen und die Liquidhersteller nicht zu Stoffen zu treiben, über deren Auswirkungen nichts oder weniger bekannt ist und die nicht unbedingt unproblematisch sind.

Und jetzt noch ein paar Hinweise zum Pulegon. Pulegon wird industriell nicht durch Synthese hergestellt, sondern durch Pflanzenextraktion gewonnen. Das ist ein extrem kostengünstiges Verfahren und der Rohstoff dafür ist ausreichend vorhanden. Und nun die Info, aus welcher Pflanze denn Pulegon gewonnen wird: Poleyminze (auch Poleiminze genannt).

Ein Blick in die aktuell gültige Fassung der TabakerzV… genauer in den Anlage 2, in welchem die verbotenen Zusatzstoffe für FERTIGE Liquids aufgeführt sind, bringt folgendes zutage:

Anlage 2 (zu § 28)
Verbotene Inhaltsstoffe in elektronischen Zigaretten und Nachfüllbehältern

5. folgende Inhaltsstoffe außer Nikotin in der Flüssigkeit, die in erhitzter oder nicht erhitzter Form ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen:

a) folgende Aromastoffe:

Diacetyl (2,3-Butandion) (CAS-Nr. 431-03-8)
2,3-Pentandion (CAS-Nr. 600-14-6)
2,3-Hexandion (CAS-Nr. 3848-24-6)
2,3-Heptandion (CAS-Nr. 96-04-8)
Cumarin

b) folgende aus Pflanzen gewonnene Stoffe:

Bittermandelöl
Verarbeitete Bestandteile und Extrakte des Engelsüßwurzelstocks
Verarbeitete Bestandteile, Extrakte und Öle, die aus der Pflanze Poleyminze stammen
Agarizinsäure

Und? Sofern jetzt nicht Aromenhersteller dazu übergehen, Pulegon synthetisch herzustellen (was sich für sie kaum lohnen wird, denn Kosten und Aufwand sind enorm höher… und das nur, um den E-Dampfmarkt weiter bedienen zu können… unwahrscheinlich), sind auch FERTIGliquids, die Pulegon als „coolen Agenten“ enthalten, nicht mehr zugelassen.

Also müssten Liquidhersteller nun auf andere CA zurückgreifen… mit den o. g. verbundenen Nachteilen, was ihre mögliche Unbedenklichkeit anbelangt.

Hoffen wir, dass eine Mengenbegrenzung für Menthol (die kommen wird) die Nutzung von Menthol in FERTIGliquids auch weiterhin in vernünftigem Rahmen möglich machen wird.

Mein Fazit:

Coole Agenten“ sind ne feine Sache… ich würde sie aber nicht bedenkenlos dampfen wollen und würde lieber auf „echtes“ Menthol zurückgreifen… so man mich lässt (oder wenn ich auch weiterhin selbst mische).

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