Pepes Wischmopp – Petitionen und die Wirkung von Worten

Zu lang? tl;dr ⇓

Ich habe mich zu der gerade gestarteten Petition von Stefan I. (noob fl) eigentlich komplett zurückhalten wollen. Ok… in der Dampferzuflucht hab ich mal ein paar Worte dazu fallen lassen, aber ansonsten war nix geplant.

Aber nun habe ich die Kommentare unter dem Video von noob fl gelesen und auch noch eine andere „Ausarbeitung“ und möchte nicht komplett dazu schweigen.

Generell hat mich die Ankündigung der Petition nicht sonderlich bewegt… solche Petitionen gab es schon in der Vergangenheit (war ja mal ne wahre Flut… ich meine damit NICHT die Petition an den Bundestag, die etwas über ein Jahr zurückliegt und auch nicht die Europäische Bürgerinitiative EFVI), es war also zu erwarten, dass sowas wieder mal kommt.

Habe sie mir angeschaut und dann für mich entschieden, keine große „Werbung“ dafür zu machen… einerseits, weil sie inhaltlich (und leider auch bezüglich der Rechtschreibung) nicht zu den stärksten Initiativen gehört… dann auch noch wegen der Wahl der Plattform (wobei OpenPetition noch zu den „seriöseren“ gehört) – Petitionen auf offenen Plattformen zu Randthemen (dazu gehört das Dampfen zweifelsohne) entfalten nicht einmal sekundäre Effekte (das Ergebnis nehmen WEDER unsere Politiker und Entscheidungsträger wahr, noch die Öffentlichkeit… ist halt Randthema).

Konzeption einer erfolgversprechenden Petition

Von der Logik her ist dazu ja auch viel Richtiges geschrieben und gesagt worden. Zunächst widersprechen sich Forderung und Adressat. Geht es um die Herauslösung der tabakfreien E-Dampfe aus der TPD2, dann bringt es nichts, die Forderung an den Deutschen Bundestag zu richten… das muss an die EU gehen. Und genau DAS wäre auch der einzig sinnvolle Weg, denn unser Gesetzgeber hat bei derzeitiger Rechtslage gar keine andere Möglichkeit, als die E-Dampferei nach den Maßgaben der TPD2 in nationalen Gesetzen zu regeln. Sie können das nicht einfach rausnehmen. Das ginge nur, wenn die E-Dampfe auch aus der TPD verschwinden würde.

Also wäre der erste Ansatz, den Willen (mit guten Argumenten und entsprechender Unterstützung untermauert) bei der EU zum Ausdruck zu bringen. Das ist nicht einfach und eine hohe Hürde (wie wir mit EFVI leidvoll erfahren mussten). Sollte DAS gelingen (wer jetzt behauptet, es sei zu spät, irrt… auch Petitionen gegen beschlossene Richtlinien und Verordnungen sind möglich), dann wäre der nächste Schritt, eine Petition an den Bundestag zu richten, um die E-Dampfe auch aus TabakerzG und TabakerzV herauszubekommen.

So ist die jetzige Petition wenig erfolgversprechend… sie schadet aber auch nichts. Selbst wenn da Millionen Zeichnungen zustande kämen und die Petition dann dem Petitionsausschuss beim Bundestag vorgelegt würde, würde sie den Weg alles Irdischen nehmen… Ablage: Rundordner. Das liegt nicht einmal daran, dass der Petitionsausschuss sonderlich steif an den diesbezüglichen Regelungen festhalten würde (was er allerdings in der Realität durchaus tut), sondern auch daran, dass solche offenen Plattformen unzählige „Petitionen“ zu allen denkbaren und undenkbaren Themen produzieren… für Bundestag bzw. Petitionsausschuss ist das schlicht „Spam“… das wird nicht zur Kenntnis genommen, sondern wandert ungelesen (oder nur überflogen) im Papierkorb. Damit würde die Petition aber auch nicht schaden… wäre nur schade drum, sich zu sehr da hineinzuhängen.

Signalwirkung?

Die teilweise propagierte „Signalwirkung“ der Petition ist aber auch illusorisch. So wenig, wie unsere „Volksbestimmer“ die Petition zur Kenntnis nehmen werden, so wenig wird das Ergebnis auch von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Auch wenn es ne Menge Dampfer gibt… es ist und bleibt ein absolutes Randthema. Dampfen erregt nur Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit, wenn es „sensationelle Schlagzeilen“ gibt. Ansonsten wird ein eventuell bombastisches Ergebnis dieser Petition wohl nahezu ausschließlich von den Dampfern selbst beachtet werden.

Allerdings hat das auch Vorteile, denn wer behauptet, eine eher schlecht verlaufende Petition könnte ein mieses Signal nach Außen abgeben, der hat nicht kapiert, dass auch das von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird. Die Petition schadet also nicht… egal, wie sie letztlich verläuft. Und wer erst lang und breit erklärt, wie unbedeutend und unwichtig wir Dampfer für Politik und Öffentlichkeit sind, dann aber behauptet, ein schwaches Ergebnis würde öffentlich durch seine Wirkung schaden… hmm… der sollte nochmal drüber nachdenken, ob da nicht ein Fehler in der eigenen Argumentationskette vorliegt.

Also… ich hatte nicht vor, etwas über die Petition zu schreiben… und ich hatte nicht vor, sie zu zeichnen.

Nun waren aber Kommentare zu lesen, in denen auf ziemlich miese Weise auf den Initiator und Petenten rumgehackt wird, in denen er beschimpft oder als „Trottel“ dargestellt wird. Da frage ich mich wieder einmal, ob bei vielen der geistige Horizont noch nicht einmal bis zur eigenen Stirn reicht. Sowas ist absolut unnötig und ungehörig. Der Petent hat die Initiative ergriffen und etwas auf den Weg gebracht. Wer das für Blödsinn hält, der kann einfach auf das Zeichnen verzichten und die Sache schlicht nicht beachten. Es steckt mit Sicherheit keine böse Absicht dahinter, dass er die Petition gestartet hat. Auf der Sache herumzuhacken, sie mies zu machen oder den Initiator schlicht zu beschimpfen ist absolut unnötig und zeugt von Unreife, schlechter Erziehung oder miesem Charakter.

Dann wurde auch noch an anderer Stelle angefangen, recht subtil, aber trotzdem deutlich, die bisherigen Zeichner als „dämlich“ darzustellen und dann gleich nochmal eine Spitze auf deren „Herkunft“ (Dampferzuflucht, Dampfertreff, mered) abzuschießen (ein Seitenhieb in Richtung IG-ED inbegriffen). Nur weil die „allwissende Müllhalde™“ eine eigene (teilweise verquere oder in sich unlogische) Sicht auf die Petition hat, hat sie noch lange nicht das gottgegebene Recht den Petenten als Trottel darzustellen und in einem Zug auch noch die Mitzeichner und deren „Heimat“ mit in den „Idioten-Topf“ zu stecken. Wieder einmal zeigt sich hier der wahre Charakter der „allwissenden Müllhalde™“… würd ich nicht mal mit Gummihandschuhen reingreifen.

Und wegen dieses Gesamtbilds (keine Ahnung, was da so in den dumpfen SN abgeht… weiß ich nicht… will es auch gar nicht wissen) schreibe ich hier dann jetzt trotzdem darüber, rufe dazu auf, die Petition zu zeichnen und zeichne sie selbst. Nicht, weil ich denke, sie würde etwas bewirken… nicht, weil ich von der Durchführung begeistert wäre… nicht, weil ich mir davon ein Signal für die Öffentlichkeit oder die politischen Entscheidungsträger erwarte… SONDERN weil ich damit ein Signal an alle diejenigen geben will, dass ich es grundsätzlich begrüße, wenn jemand die Initiative ergreift und aktiv wird. Und weil ich damit zum Ausdruck bringen möchte, dass ich weder den Petenten, noch die bisherigen (und kommenden) Zeichner für Idioten oder Trottel halte.

An der ganzen Sache macht mich traurig, dass doch etliche nicht darüber nachdenken, was WORTE für eine Wirkung haben können. Wer den Petenten mit Worten beleidigt, der verletzt diesen. Das hat Wirkung auf den Betroffenen selbst und auch Wirkung auf alle die, die diese Worte lesen. Wo ich bei einem weiteren Thema wäre…

Worte können Wirkung haben!

Nehmen wir einmal an, man schreibt: „Menschen die ausschließlich Mineralwasser trinken, nehmen täglich ein Chemikaliengemisch zu sich.“

An der Aussage ist zunächst einmal nichts auszusetzen. Das durchschnittliche Mineralwasser besteht aus verschiedenen chemischen Substanzen… Wasser, verschiedene Salze, Kohlendioxid („Kohlensäure“)… also ist das definitiv ein Chemikaliengemisch. Jeder Chemiker (Wissenschaftler) wird das bestätigen und sich dabei auch nichts Böses denken. Aber „Chemikaliengemisch“ klingt im Ohr der Durchschnitts-Öffentlichkeit einfach nicht gut… erzeugt negative Assoziationen: „Chemie ist künstlich… das kommt aus dem Labor… Erdölprodukte… giftiges Abwasser aus der Düngemittelproduktion…“

Die Durchschnitts-Öffentlichkeit sieht das eben nicht so abstrakt, wie ein Wissenschaftler, sondern durch eine eigene Brille.

Nun trinkt (fast) jeder irgendwann mal Mineralwasser… und deshalb weiß auch jeder, dass das Zeug nix Böses ist. Aus diesem Grund wäre eine solche Aussage also in seiner Wirkung auf die Öffentlichkeit eher unschädlich.

Schlimmer wäre es hingegen, wenn Mineralwasserstrinken eher eine Randerscheinung wäre… und vor allem durch Menschen praktiziert würde, die vorher nur und ausschließlich Cola getrunken hätten. In der breiten Bevölkerung wäre das Mineralwassertrinken eher unbekannt oder als Schrulligkeit belächelt… DANN hätte so eine Schlagzeile durchaus einen negativen Effekt. Das „Chemikaliengemisch“ ist ein negativ belegtes Wort, das den Bericht, über dem es prangt, interessant macht… viel mehr als die Schlagzeile und vielleicht den ersten Absatz lesen die meisten nicht. Und damit wäre in den Köpfen angekommen: „Ha, die Mineralwassertrinker trinken ein Chemikaliengemisch und vergiften sich nach und nach selbst.“

Und selbst wenn diese Schlagzeile in irgendeinem unbedeutenden Nischen-Blog geschrieben würde… es würde den Weg zu den Lesern finden. Die Suchmaschinen machen es möglich… in Verbindung mit der Sensationsgier der Allgemeinheit, die sich über das Konsumieren von Artikeln mit ähnlichen Schlagworten ihre eigene Filterblase aufgeblasen haben.

…und Dampfen?

Albern? Nö! Würde irgendwo ein Artikel mit der Schlagzeile „Dampfer sind D***************n“ erscheinen, dann hätte das durchaus auch diese Wirkung. „D**********m“ ist ein Reizwort, auf das die Leute anspringen. Es ist in der Hinsicht auch völlig unerheblich, dass eine Hand voll Wissenschaftler unter „D****n“ etwas anderes verstehen, als die Allgemeinheit (wobei man auch da zu deutlich differenzierteren Erkenntnissen gelangen kann, wenn man sich mit der Materie ein wenig näher befasst und nicht nur schnell mal durch Wikipedia rauscht… nicht jede psychotrope Substanz wird als D***e bezeichnet… nicht einmal von Wissenschaftlern… kann man herausfinden, wenn man sorgfältig recherchiert… an den richtigen Stellen).

Der Durchschnitts-Bürger versteht unter „D***e“ jedenfalls etwas anderes und hat da ein ganz klares Bild im Kopf, wenn von „D**********m“ geschrieben oder gesprochen wird. Eine solche Schlagzeile (die aus o. g. Gründen auch den Weg in die Allgemeinheit findet, obwohl sich das Medium an sich nur mit einer Randerscheinung befasst und so sonst gar nicht das Interesse vieler erregen würde) führt zu Assoziationen in den Köpfen der Öffentlichkeit, die nicht gut ist. Einerseits führt es zu einer Stigmatisierung der Dampfer und andererseits ist es geeignet, Raucher davon abzuhalten, es mit diesem unschädlichen Genussmittel einmal zu versuchen.

Tja… aus welchem Grund würde wohl jemand sowas schreiben? Aus Dummheit? Aus Absicht oder Boshaftigkeit? Aus Rechthaberei? Ich weiß es nicht… einen Gefallen würde derjenige der Dampferei damit allerdings nicht tun.

tl;dr

Eine Petition, selbst wenn sie konzeptionell nicht perfekt ist (Adressat, Forderung, Plattform), ist kein Drama, nichts Schlechtes und vor allem kein Grund, den Petenten öffentlich zu beschimpfen oder auszuschmieren. Die Petition wird – nach meiner Einschätzung – weder etwas bewirken, noch wird sie dem Dampfen schaden (sollte sie nicht besonders gut laufen), denn es geht um eine Randerscheinung (das Dampfen)… aus Solidarität zum Initiator setze ich meine „Unterschrift“ drunter, obwohl ich es eigentlich nicht vorhatte.

Worte bewirken etwas in den Köpfen! Wenn man titelt „Dampfer sind D****************n“, dann gibt es eine Hand voll Wissenschaftler, die das leidenschaftslos sehen und eine große Menge anderer Leser – die breite Masse – die durch den Titel „Bilder im Kopf“ bekommt. Solche Schlagzeilen schaden der Akzeptanz der E-Dampferei.

 


Hinweis:

Sollten die Worte




im Browser ein wenig „seltsam“ dargestellt werden, so liegt das daran, dass sie nicht als einzelne Zeichen, sondern als Bilder eingebunden wurden… möchte keinen Artikel schreiben, der bei Suche nach diesen Worten ganz oben in der Trefferliste landet. 😉

 

Pepes Wischmopp – Petitionen und die Wirkung von Worten
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2 Kommentare zu “Pepes Wischmopp – Petitionen und die Wirkung von Worten

  1. @PepeCyB – Als hättest Du es geahnt, bietet am selben Tag ein Branchenmagazin ein ähnliches Beispiel zum eigenen Vorteil und zum Schaden des Dampfens. Konjunktiv in Titel und Zwischenüberschrift. – Wird nicht mal aufgelöst, sondern es heißt nur vielsagend: „Das lassen wir mal so unkommentiert stehen.“
    https://web-beta.archive.org/web/20170413121154/http://www.egarage.de/e-zigaretten-koennten-renormalisierung-des-tabakrauchens-foerdern/

    1. Jau… so ist das. Es wird eben nicht weit genug gedacht. Gerade in der Schlagzeile sollte das nicht landen. Wenn die zitierte Aussage im Text erscheint (was auch korrekt, vernünftig und eher unschädlich ist), dann ist es ok… aber die Schlagzeile entfaltet halt Wirkung.

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